Der Christian ist des Menschen Wulff oder auch ein Koch verdirbt schon mal den Brei

War das spannend und war das langweilig. Der letzte Sonntag hat gezeigt, wie sehr unterschiedlich Landtagswahlen sein können. In Niedersachsen stand zu keinem Zeitpunkt in Frage, dass Deutschlands Schwiegersohn Nummer eins das Rennen machen würde. Christian Wulff hatte im Wahlkampf so viel Kreide gefressen, dass er sich gegen ein weißes Blatt Papier kaum mehr abhob.

Die persönlichen Angriffe auf ihn, die – wie man fairer Weise sagen muss – ja nicht von Wolfgang Jüttner sondern von dessen Frau stammten, hatten der SPD auch nicht geholfen. Es war auch der falsche Weg – das Moralisieren ist nun mal die Sache der Konservativen. Bei den Roten weiß ja jeder, dass die es wild durcheinander treiben– ok die Jüttners jetzt wohl nicht aber alle anderen. Da ist eine solche Kritik unglaubwürdig, zumal wenn man auf zwei Kanzler schaut, die alle mehrfach geschieden waren oder nichts anbrennen ließen.

Der strahlende Sieger ist Christian Wulff und er wird noch lange in  Niedersachsen regieren. Die sind da so. Wenn die sich mal an einen gewöhnt haben, dann behalten sie ihn auch. Schröder hätten sie vielleicht zurückgenommen, aber der muss ja jetzt bei Gazprom sein Geld verdienen, damit er seine Familie durchbringen kann. Gut seine Frau Doris isst nicht viel, aber die Kinder!

Das war ein perfider Trick von Putin: Kinder schenken und dann den Vater versklaven.

Die Hessen sind da ganz anders. Das ist ein wildes Volk von Schnellschwätzern, die überall gerne im Hintergrund ihre Strippen ziehen. Auch wenn in Berlin die Schwaben die akustisch am stärksten wahrnehmbare deutsche Volksgruppe sind - achten Sie einmal darauf, wer in Führungspositionen sein Wesen treibt – das sind oft Leute aus diesem zweiten Flächenland, das alles zu bieten hat, von bitterer ewiger Zonenrandlage um Kassel bis zu Boomtown Frankfurt. Laptop und Lederhose ist hier aber kein Thema – auf die Lederhose wird verzichtet, weil sie scheiße aussieht.

„Hessen ist ein kanppes Land“ war der Spruch, der am Wahlabend in aller Munde war. Das stimmt aber so gar nicht. Die Hessen sind halt zur Hälfte katholisch und zur anderen Hälfte evangelisch und zu hundert Prozent pragmatisch.

Sie haben der Regierung und der Opposition nicht zum ersten Mal eine echte Denksportaufgabe gegeben, in dem sie das Zünglein genau in  der Mitte hängen ließen. Nun darf Roland Koch erst mal weiterregieren aber das ohne Macht. Wenn Andrea Ypsilanti eine Regierungsmehrheit zusammenbekommt kann sie ihn ablösen. Dazu müsste sie aber mit der Linken oder der FDP koalieren. Sie will die Linken nicht, die FDP will sie nicht. Ob Roland Koch sich an die Grünen heranschmeißen wird? Das wäre mal wieder ein Testlauf, wie ihn nur die Hessen beherrschen. Schließlich hat weiland Holger Börner über ein Jahr eine Minderheitsregierung geführt, bevor er sich an die Farbe Grün gewöhnt hatte. Unvergessen die Vereidigung Joschka Fischers in Turnschuhen. Heute sieht er eher aus wie Holger Börner damals – so etablieren sich die Parteien eben auch optisch.

Hermann Scheer muss also erst noch ein bisschen warten, bis er ganz Hessen mit Biogasanlagen überziehen darf und überall die Windräder sich freundlich drehen und die Singvögel killen. Aber besser durch deutsche Windräder in den Vogelhimmel als durch italienische Gourmets. Auch als Vogel will man lieber für einen guten Zweck sterben.

Gewonnen hat auf alle Fälle Angela Merkel. Setzt Koch sich durch, bleibt er dennoch  angezählt, wenn Rot-Grün + x gewinnt, wird Frau Merkel Herrn Koch zu sich nach Berlin holen, denn sie weiß, dass man nahe an seinen Freunden aber noch viel näher an seinen Feinden sein muss.

Sie wird ihn dann wohl gegen den glücklosen Verteidigungsminister Jung austauschen. So kann Roland Koch zeigen, was in ihm steckt, wenn es hart auf hart kommt. Da kommt zur Theorie endlich auch die Praxis.

In Eschborn bei Frankfurt hat sich nämlich ein Vater beim Schuldirektor beschwert, weil der seinen Sohn bestraft hatte. Der Sohn hatte mehrfach die Hausaufgaben nicht gemacht – zur Strafe musste er vor der Klasse ein Gedicht aufsagen. Der Vater fand das entwürdigend, grausam und unangemessen – der Vater war Roland Koch.

 

 

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